Photovoltaik-Anlage auf eigenem Dach 

Pachten statt kaufen – lohnt sich das Modell?

Teil 2

Ich halte Sie auf dem Laufenden: So lautete mein Versprechen zum Ende meines sehr persönlichen Kundenberichts über das Vertragsmodell der Stadtwerke Neuss, eine Photovoltaik-Anlage auf dem eigenen Hausdach zu pachten statt zu kaufen. Nach der Vor-Ort-Besichtigung auf dem Dach und im Keller stand fest: Unser Haus ist für eine Photovoltaik-Anlage bestens geeignet. Die Vorstellung, umweltschonend Strom zu produzieren, ist verlockend. Ob sich dieses Modell auch wirtschaftlich lohnt, erfahren wir jetzt. Konkrete Zahlen liegen vor.

Geschäftsführerin Ute Hoffmann vom gleichnamigen Fachbetrieb liefert Dachanimationen, Erträgnisaufstellungen und Wirtschaftlichkeitsberechnungen. Für all’ ihre Hochrechnungen hat sie die Klimadaten von Neuss aus den Jahren 1991 bis 2010 zugrunde gelegt. Und dann das Angebot für eine sogenannte „Hochleistungs-Photovoltaikanlage zur Netzeinspeisung mit Eigenverbrauch“ erstellt. Da wir einen durchschnittlichen Stromverbrauch von 5.000 Kilowattstunden pro Jahr haben, hat sie eine Anlage mit einer Gesamtleistung von 5,94 kWP konfiguriert. (kWp steht für „Kilowatt peak“ – damit wird die mögliche Höchstleistung einer Photovoltaik-Anlage angegeben.)
Würden wir diese Anlage inklusive Lieferung, Montage und Inbetriebnahme direkt bei dem Fachbetrieb kaufen, müssten wir rund 10.700 Euro bezahlen. Darin enthalten sind neben Aufstellung der Module die Anschlussarbeiten zur Elektroinstallation, die Kabelführung zum Sicherungskasten und der Einbau eines Wechselrichters – auch Inverter genannt – im Keller. Dieser wandelt den Gleichstrom in Wechselstrom um.

Rund-um-Sorglos-Paket für knapp 74 Euro Pacht

740x495-Photovoltaik-Dach-2.jpgWenn die Stadtwerke Neuss diese Kosten für uns übernehmen und die Photovoltaik-Anlage an uns verpachten, müssten wir wiederum eine monatliche Miete von 73,66 Euro an die Stadtwerke Neuss bezahlen – 18 Jahre lang. „Nach Ende der Pachtzeit sind das 15.910,56 Euro“, rechnet Herbert Schroers, Mitarbeiter im Vertrieb der Stadtwerke Neuss, vor. In diesen 18 Jahren übernehmen die Stadtwerke Neuss die Vollgarantie. „Alle anfallenden Reparaturen gehen zu unseren Lasten“, erklärt Schroers. Ein Rund-um-Sorglos-Paket für uns als Kunden. Denn während dieser langen Laufzeit müsste „mit großer Wahrscheinlichkeit beispielsweise der Wechselrichter ausgetauscht werden“, so Schroers. Allein dieser kostet circa 1.500 Euro.
Trotz der rund 5.200 Euro Differenz zwischen Pacht und Kauf rechne sich daher eine Photovoltaik-Anlage auf jeden Fall, ist Schroers überzeugt und liefert Argumente: Ohne Photovoltaik-Anlage würden wir in den kommenden 20 Jahren rund 30.820 Euro an Stromkosten zahlen müssen. „Dieser Berechnung liegt eine angenommene Stromverteuerung von drei Prozent jährlich zugrunde. Das ist durchaus realistisch“, erklärt er weiter.

30 Prozent des Strompreises auf 30 Jahre einfrieren

Mit der Photovoltaik-Anlage würden wir zwar weiterhin Strom über unseren Anbieter beziehen müssen, jedoch – so die Hochrechnung – nur etwa Dreifünftel, also etwa 3.000 Kilowattstunden. Über die gepachtete Photovoltaik-Anlage könnten wir ungefähr 1.940 Kilowattstunden selbst nutzen. Der restliche Strombezug würde uns über 20 Jahre gerechnet etwa 17.700 Euro kosten. Also rund 13.120 Euro weniger. „Zudem gibt es für den nicht selbst genutzten Strom eine Einspeisevergütung“, erklärt Schroers weiter. Diese liege zwar mittlerweile bei nur noch 12,20 Cent, würde aber 20 Jahre lang etwa 7.570 Euro einbringen.
Die Einspeisevergütung wurde zwar in den letzten Jahren regelmäßig von der Bundesnetzagentur reduziert. Ist sie aber einmal vertraglich festgelegt, gilt sie 20 Jahre lang. Wenn der Pachtvertrag also nach 18 Jahren endet, erfolgt noch zwei weitere Jahre die Einspeisevergütung. Sobald diese entfällt, wird die Anlage aber weiterhin Strom produzieren. Derzeitige Hochrechnungen gehen davon aus, dass moderne Photovoltaik-Anlagen mindestens 30 Jahre lang Strom erzeugen. „Vermutlich sogar noch weit länger“, so Schroers. Ute Hoffmann rechnet vor: „Mit einer PV-Anlage frieren Sie 30 Prozent ihres Strompreises auf die nächsten 30 Jahre ein.“ Sollte später noch ein Speicher hinzukommen, könnten sogar bis zu 60 Prozent des fremdbezogenen Stromes eingespart werden.360x250-Frau-mit-Solarpanel.jpg

Leistungsverlust der Anlage von 0,5 Prozent pro Jahr

Im Laufe der Jahre lässt die Leistung von Photovoltaik-Anlagen sukzessive nach. Fachleute sprechen von sogenannter Degradation. Da diese recht gering ist, geben Hersteller – wie in dem Angebot der Firma Hoffmann – sogar 25 Jahre lang eine Garantie auf 80 Prozent der Leistung durch die Module. „In unseren Berechnungen habe ich eine Degradation von 0,5 Prozent pro Jahr berücksichtigt“, erklärt Schroers. Diese Rechnung sei noch konservativ ausgelegt. Viele Hersteller dieser Module gehen mittlerweile nur noch von 0,25 Prozent Leistungsverlust pro Jahr aus. Selbst bei vorsichtiger Schätzung würde das bedeuten: Nach zehn Jahren verfügen die Module noch über 95 Prozent ihres Wirkungsgrades.
Ein Vergleich der Kosten über 20 Jahre einerseits mit dem status quo – also Strom über den Anbieter wie gewohnt beziehen – mit einer Photovoltaik-Miete über 18 Jahre ergibt danach eine Ersparnis von rund 4.800 Euro.. Wir müssen die Photovoltaik-Anlage allerdings auch unserer Gebäudeversicherung melden. Denn diese bezieht in unserem Vertrag noch keine PV-Anlagen mit ein. Sollten bei einem Sturm die Module wiederum Schäden bei Nachbarn verursachen, wären diese in der Gebäudeversicherung nicht enthalten. Dafür müssten wir zudem eine entsprechende Haftpflicht-Police abschließen.

Das Elektroauto künftig zuhause auftanken?

700x465-E-Auto-tankt-fotolia.jpgJe mehr wir uns in die Excel-Tabellen und Erträgnisaufstellungen vertiefen, umso deutlicher wird: Die Rendite ist weder bei Pacht noch Kauf von Photovoltaik-Anlagen besonders hoch. Würden wir im Neusser Stadtgebiet wohnen, könnten wir mehr Gewinn machen. Denn für Neusser entfällt bei dem Pachtvertragsmodell nicht nur die Zählergebühr, sie können zudem ihren Reststrombedarf günstig über den Sonnenstrom-Tarif der Stadtwerke Neuss sichern. Diese Konditionen gelten über die Stadtgrenzen hinaus jedoch nicht.
Andererseits fragen wir uns: Wollen wir mit der Pacht einer PV-Anlage Gewinn machen oder eher unseren Teil dazu beitragen, umweltfreundlich Strom zu produzieren? Die Antwort fällt eindeutig aus: Grünstrom selbst zu produzieren, ist das Ziel. Und Ute Hoffmann bestätigt uns darin: „Das sind circa 3.000 Kilogramm Kohlendioxid pro Jahr, die mit dieser Anlage eingespart werden.“ Das entspreche umgerechnet etwa 10.000 gefahrenen Kilometern mit dem Auto. Weitere überzeugende Argumente liefert Herbert Schroers: „Unsere Zukunft wird elektrisch sein. Wer eine PV-Anlage auf dem eigenen Hausdach hat, kann sein künftiges Elektroauto auch mit selbsterzeugtem Strom betanken.“ Die Vorstellung gefällt uns.
Das Pachtmodell der Stadtwerke Neuss überzeugt immer mehr: Der Kunde zahlt lediglich die Pacht sowie die zusätzlichen Kosten für Gebäude- und Haftpflichtversicherung. Um Reparatur oder sogar Austausch von Teilen muss er sich nicht kümmern. Das übernehmen die Stadtwerke Neuss 18 Jahre lang. Jeder künftigen Strompreiserhöhung kann der Pächter zudem gelassener entgegenblicken. Denn 30 Prozent des Stromaufkommens ist durch die eigene PV-Anlage gedeckt. Kurzum: Das Modell, eine Photovoltaik-Anlage zu pachten, ist attraktiv – für alle, die Umwelt und Portemonnaie schonen wollen.

Ihre Bärbel Broer, freie Journalistin und Autorin des Stadtwerke-Magazins

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Sie spielen selbst mit dem Gedanken sich eine Photovoltaik-Anlage anzuschaffen oder zu pachten? Dann lassen Sie sich von Bärbel Broers Recherchen inspirieren und nehmen mit unseren Stadtwerke-Experten Kontakt auf. Erste Informationen und Ihre Ansprechpartner finden Sie hier auf unserer Website. Herbert Schroers und seine Kollegen freuen sich auf Ihren Anruf. mehr erfahren

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