Photovoltaik-Anlage auf dem eigenen Dach

Pachten statt kaufen – lohnt sich das Modell?

Teil 1

 

Eigentlich sollte unsere Autorin einen erklärenden Artikel zum Thema Photovoltaik und dem besonderen Vertragsmodell der Stadtwerke Neuss für Privatkunden schreiben. Doch dann erzählte sie, dass sie sich auch privat für eine Photovoltaik-Anlage interessiere. So entstand die Geschichte einer sehr persönlichen Kundenerfahrung.

Schon länger denken wir darüber nach: Eigenen Strom umweltfreundlich produzieren mit einer Photovoltaik-Anlage auf dem Hausdach – das klingt verlockend. Doch welches Unternehmen ist das richtige? Welche Module sind geeignet? Gibt es nicht immer weniger Vergütung beim Einspeisen von Strom ins Netz? Lohnt sich das überhaupt noch? Für welche Solarmodule sollte man sich entscheiden? Gibt es noch Gewähr, wenn doch immer öfter Insolvenzen von Solaranlagenherstellern bekannt werden? Steigt mit einer PV-Anlage der Beitrag für die Gebäudeversicherung? Fragen über Fragen. Sich im Dschungel der Solaranlagenhersteller zurecht zu finden, ist verwirrend und zeitaufwändig. Und am Ende zu müßig, sich weiter mit dem Thema zu befassen. Doch dann erfahren wir von einem Vertragsmodell der Stadtwerke Neuss: Planung und Investition der Photovoltaik-Anlage übernehmen die Stadtwerke komplett. Hausbesitzer zahlen lediglich die Pacht, sparen ab dem ersten Tag, indem sie eigens produzierten Strom nutzen. Und überschüssiger Strom wird ins Netz eingespeist und vergütet. So wird das Modell angepriesen. Klingt einfach und einleuchtend. Wir wollen wissen, ob es das tatsächlich ist.

Online das Hausdach auf Eignung checken

Schon der erste Anruf schafft Klarheit, ob sich eine Anlage für uns überhaupt lohnt. Herbert Schroers, Mitarbeiter im Vertrieb der Stadtwerke Neuss, weist auf das Solarpotenzialkataster hin. Noch während wir telefonieren, gehe ich auf den Link. Wer hier seine Adresse eingibt, sieht bereits nach einem Klick, ob das eigene Hausdach geeignet ist für eine Photovoltaik-Anlage. Was wir schon immer geahnt haben, bestätigt sich: Unser Hausdach hat die beste Einstufung mit „Gut geeignet“ für eine Photovoltaik-Anlage.

Schroers gibt dann weitere Informationen. „Wenn sich nach einer Vor-Ort-Besichtigung und einer Wirtschaftlichkeitsberechnung ergibt, dass sich ein Vertrag für den Kunden und die Stadtwerke lohnt, schließen wir Pachtverträge über 18 Jahre ab. Die eigentliche Installation der Photovoltaik-Anlage übernehmen Fachfirmen.“ Mit zwei solcher Firmen arbeiten die Stadtwerke Neuss zusammen: Zum einen mit der Firma MUBRAenergy aus Rommerskirchen, zum anderen mit Hoffmann Metallbau aus Meerbusch. „Beide Firmen verwenden ausschließlich deutsche Produkte, keine chinesischen Module“, erklärt Schroers. Denn, so Schroers, die Stadtwerke wollen Sicherheit bezüglich Installation und Reparaturen. Schließlich übernehmen sie diese Kosten komplett. Und das nicht nur in Neuss, sondern über die Stadtgrenzen hinaus.

Neusser haben noch mehr Vertragsvorteile

Hier ist jedoch der erste Haken für uns: Würden wir in Neuss wohnen, hätten wir noch mehr Vorteile. Dann könnten wir nicht nur einen Pachtvertrag über eine Photovoltaik-Anlage mit den Stadtwerken Neuss abschließen, sondern auch von deren speziellen Tarifen profitieren. „Mit dem Sonnenstrom-Tarif können sich Neusser, die eine Photovoltaik-Anlage über uns pachten, ihren Reststrombedarf günstig sichern“, erklärt Schroers. Darüber hinaus entfällt für diese Neusser Kunden die Zählergebühr.

Schade – diese Vorteile könnten wir nicht mitnehmen, da wir außerhalb von Neuss wohnen. Dennoch wollen wir wissen, ob sich das Vertragsmodell für uns lohnt. Ein Vorort-Termin zunächst in unserem Wohnzimmer, später im Keller und letztlich auf dem Dach soll Klarheit schaffen. Herbert Schroers und Geschäftsführerin Ute Hoffmann vom gleichnamigen Fachbetrieb bringen viele Informationen mit. „Früher wurden so viele Module auf Dächer gestellt wie eben Platz war“, sagt Schroers. Aber das sei noch zu Zeiten gewesen, als die Einspeisevergütung bei über 50 Cent pro Kilowattstunde lag. Heute beträgt sie gerade mal 12,3 Cent pro Kilowattstunde. Deshalb werden neue Photovoltaik-Anlagen nach dem persönlichen Stromverbrauch konzipiert.

Süd-Ausrichtung nicht unbedingt am besten

Unser Verbrauch liegt bei etwa 5.000 Kilowatt-Stunden – nicht gerade wenig. Aber da ich mein Büro im Haus habe, und unser Sohn Leistungssportler ist – mindestens einmal pro Tag läuft die Waschmaschine – haben wir einen entsprechenden Verbrauch. Neben unserem Bedarf ist die Ausrichtung unseres Hauses für Ute Hoffmann wichtig. „Süden“, sagen mein Mann und ich fast gleichzeitig und sind überzeugt, dass dies ein weiterer Pluspunkt für eine Photovoltaik-Anlage ist. Doch da werden wir eines Besseren belehrt. „Ost-West-Anlagen sind teilweise produktiver als reine Südausrichtung“, erklärt Hoffmann. Denn entsprechend der Sonnenscheindauer seien Ost-West-Ausrichtungen optimal.

Doch wie soll das gehen auf unserem Flachdach? „Kein Problem“, versichert Hoffmann. Damit die Module möglichst viel Sonnenenergie aufnehmen können, würden sie wie kleine Zelte aufgeständert. Da ereilt uns die nächste Sorge: Erst im Frühjahr haben wir unser Dach sanieren lassen. Kann der Aufbau einer Photovoltaik-Anlage dem neuen Dach schaden? Hoffmann zerstreut unsere Bedenken: „Die Module werden frei aufgestellt, untereinander verbunden, mit Gewichten arretiert und nicht mit dem Dach befestigt.“ Und dann gibt sie einen weiteren wichtigen Tipp: „Schauen Sie in den Bedingungen Ihrer Gebäudeversicherung nach: Jüngere Verträge enthalten bereits Photovoltaik-Anlagen, ältere müssen ergänzt werden.“

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Vor-Ort Termin auf dem Dach: Installationsfachfrau Ute Hoffmann und Herbert Schroers von den Stadtwerken 

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Teamwork und Planung mit Spaß an der Sache.

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Vom Dach in den Keller: Kann hier der sogenannte Inverter eingebaut werden?

Stromerzeugung online mitverfolgen

Sobald eine Anlage in Betrieb sei, „lese ich jedes Haus in meinen PC ein“, sagt Hoffmann. Was das nun wieder bedeute, wollen wir wissen. „Ganz einfach“, meint sie. „Jeden Morgen überprüfe ich online, ob die von uns montierten Photovoltaik-Anlagen korrekt arbeiten.“ Für jedes einzelne Solarmodul auf den jeweiligen Dächern könne sie online abfragen, wie viel Strom es produziere. „Früher waren die Module untereinander verbunden. Fiel eins aus, beeinträchtigte dies die Leistung der anderen“, so Hoffmann. „Heute hat jedes Modul einen Optimierer und ich kann jedes einzeln kontrollieren. Das ist eine tolle Entwicklung“, erzählt sie begeistert. Anhand dieser Auswertungen könne sie auch Lage und Winkel der einzelnen Module online optimieren.

Ein sogenanntes Lastprofil zeige ihr zudem an, wann wie viel Strom produziert werde. Das werde Auswirkungen auf unseren Alltag haben, so Hoffmann. „Ihre Lebensgewohnheiten werden sich verändern.“ Waschmaschine, Geschirrspüler, Trockner – elektrische Geräte werden wir zum Teil künftig anders nutzen, kündigt sie an. „Regnet es, lassen sie die Wäsche noch einen Tag liegen, weil morgen wieder die Sonne scheinen soll“, sagt sie. Diese Autarkie, eigens produzierten Strom nutzen zu können, mache nämlich auch Spaß, verspricht sie. Denn noch lohne sich ein eigener Stromspeicher nicht, sagt Schroers. „Doch da scheiden sich die Geister“, widerspricht Hoffmann. Bei einem durchschnittlichen Preis von etwa 6.500 € für einen 6-kw-Speicher könne sich dieser auf 20 Jahre gerechnet durchaus amortisieren. Doch soweit sind wir längst noch nicht. Uns interessiert eher das Modell, eine Photovoltaik-Anlage zu mieten.

Inspektion im Keller und auf dem Dach

Wie teuer eine Anlage wird, hängt auch von unserem Stromkasten ab. Denn die Anlage muss an unseren Stromzähler angeschlossen werden. Und ein sogenannter Wechselrichter – auch Inverter genannt –, der den Gleichstrom in Wechselstrom wandelt, ist nötig. Ein Blick in den Stromkasten im Keller gibt Aufschluss. Kein Problem, den Wechselrichter hier im Keller einzubauen, konstatiert die Fachfrau Ute Hoffmann. Wie die Kabel vom Dach in den Keller kommen sollen, will sie aber noch prüfen. Denn zwei Kabel sowie ein Erdungskabel müssten verlegt werden. Dafür geht es dann hoch aufs Dach.

Hoffmann und Schroers inspizieren gemeinsam die Dachfläche. Die Verlegung der Kabel sei problemlos, so Hoffmann. Die Dachausrichtung hatte sie bereits vor unserem Gespräch online gecheckt. Denn mittels Google-Earth lässt sich nahezu gradgenau die Dachausrichtung bestimmen. Sowohl Herbert Schroers von den Stadtwerken als auch Geschäftsfrau Ute Hoffmann sind bereits jetzt sicher: Eine Photovoltaik-Anlage auf unserem Hausdach würde sich lohnen. Wir fragen uns: Für wen?

Noch gibt es keine konkreten Zahlen. Wir wissen nicht, wie viel wir den Stadtwerken Neuss an Pacht zahlen müssen, wie viel Eigenstrom wir vermutlich produzieren können, wie hoch unser Reststrombedarf sein wird. Auch ohne konkrete Zahlen ist Herbert Schroers bereits jetzt sicher: „Sie werden den Vertrag abschließen wollen. Denn sie werden keine Mehrkosten haben. Im Gegenteil: sogar etwas Gewinn.“ Für die Stadtwerke Neuss ist das Vertragsmodell vor allem aus einem anderen Grund interessant, gibt er zu. „So leisten wir unseren Beitrag zu den CO2-Einsparzielen.“ Ute Hoffmann ist ebenfalls überzeugt: „Die Pacht einer Photovoltaik-Anlage ist ein wunderbares Modell.“

Sobald das Angebot errechnet ist, werden uns Herbert Schroers und Ute Hoffmann erneut mit Excel-Tabellen, Dachanimationen, Erträgnisaufstellung und Wirtschaftlichkeitsberechnung besuchen. Dann erfahren wir auch, für wen sich die Photovoltaik-Anlage lohnt: Für uns? Für die Stadtwerke? Für die Firma Hoffmann? Für alle? Wie und ob es weiter geht mit der eigenen Photovoltaik-Anlage auf dem Hausdach: Ich halte Sie auf dem Laufenden.


Ihre Bärbel Broer, freie Journalistin und Autorin des Stadtwerke-Magazins

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