Kein Kind darf ertrinken!
Appell einer Schwimmmeisterin
Es ist der blanke Horror: Ein Kind ertrinkt und stirbt. Gerade jetzt, im Hochsommer, nehmen diese Meldungen zu. Dort wo Wasser für Abkühlung sorgt, lauert auch die Gefahr. Wussten Sie, dass der Tod durch Ertrinken bei 1-5 jährigen Kindern die häufigste und bei 5-10 jährigen die zweithäufigste nichtnatürliche Todesursache ist?* Davor liegt nur der Tod durch Verkehrsunfälle.
Besonders krass: Alle Ertrinkungsunfälle im Säuglingsalter geschahen in einer Wassertiefe von nur 3-30cm! 30cm, also die Höhe eines Lineals!
Wie geht das? Vor allem: Wie können Sie als Eltern Risiken für Ihre Kinder verringern?
Blick aufs Kind, nicht aufs Smartphone!
Einmal ausgerutscht und dabei tief Luft geholt, gerät Ihr Kind schnell unter Wasser! Das sind Sekunden, in denen keiner was mitbekommt! Egal ob zu Hause am Planschbecken, am Badesee oder im Schwimmbad: Viele Eltern sind vertieft in ihre Zeitung oder mit dem Smartphone beschäftigt. Nur zwischendurch wird mal hochgeschaut. Manche holen sich nur kurz einen Kaffee, oder gehen vielleicht mal schnell auf der Terrasse eine rauchen. Ja, aufs Klo muss man schließlich auch mal!
Wie soll man denn da gucken? Wenige aber wichtige Sekunden, die über Leben und Tod entscheiden können.
Übertrieben denken Sie?
Drei Minuten retten Leben
Wasser ist und bleibt eine Gefahr für Kinder. Sie gehen unter wie ein Stein, erschrecken sich und atmen dann Wasser in die Lungen ein. Das passiert still und leise!
Der Körper ist ohne Sauerstoffzufuhr nach zwei Minuten ohnmächtig. Nach zwei bis drei Minuten werden die ersten Zellen geschädigt und spätestens nach fünf Minuten ist das Gehirn irreparabel geschädigt! Nur zehn Minuten braucht es bis zum klinischen Tod!
Es sind die goldenen drei Minuten! Wenn Sie es schaffen, alle drei Minuten einen Blick auf ihre Kinder zu werfen, sind Sie höchstwahrscheinlich gerade noch rechtzeitig da. Aber können Sie dann auch noch handeln? Möchten Sie in solch eine Situation kommen? Möchten Sie Ihr eigenes Kind wiederbeleben müssen? Drei Minuten sind Gold, aber sogar die können zu knapp sein.
Aufsicht ist Elternpflicht
Nicht umsonst sagen wir, dass spielende Kinder nicht unbeaufsichtigt bleiben dürfen. Sie sollten nur eine Armlänge von Ihnen, den Eltern, entfernt sein! Der große Bruder oder die große Schwester reichen nicht! Denn sie werden es vielleicht nicht merken, wenn der kleine Sprössling untergeht. Er könnte ja auch nur tauchen und spielen! Ertrinken ist ein leiser Tod!
Eine 1:1 Betreuung also? Für viele Eltern ist dies, gottseidank, selbstverständlich! Jedoch nicht für alle! Als Schwimmmeisterin am Beckenrand komme ich oft in Diskussionen mit Eltern, die der Meinung sind, dass wir Fachangestellte genau diese Aufsichtspflicht tragen! Das ist so jedoch nicht richtig und auch nicht machbar! Wir sind keine Kita! Und kein 5-Sterne Hotel, wo Sie die Kinder bei den Animateuren parken können. Sie als Eltern geben die Aufsichtspflicht gegenüber Ihren Kindern nicht bei uns ab! Wenn wir sehen, dass Sie Ihrer Aufsichtspflicht nicht nachgehen, werden wir Sie darauf aufmerksam machen. Wenn wir sehen, dass Sie dieser weiterhin nicht nachgehen, werden wir Sie sogar bitten, das Bad zu verlassen. Nicht weil wir Spaß daran haben! Sondern weil wir kein totes Kind aus dem Becken holen möchten! Die Verantwortung können und dürfen wir nicht übernehmen.
Wow?! Harte Worte denken Sie vermutlich? Jahrelange Erfahrung sage ich nur! Sie sollten wissen, dass wir das nur tun, um Ihnen Schlimmeres zu ersparen!
Obacht! Zum Ertrinken reicht eine Wassertiefe von weniger als 30cm!
Spielen macht Spaß! Lassen Sie Ihre Kinder dabei nicht aus den Augen!
Augen auf für Sicherheit
Ich könnte Ihnen noch unglaublich viele Beispiele aus meinem Berufsalltag aufzählen. Ich möchte aber nichts dramatisieren, jedoch auch nichts verharmlosen! Ich möchte auch nicht die strenge, übervorsichtige Schwimmmeisterin spielen. Das soll einfach ein Appell sein! Lassen Sie Ihre Kinder beim Baden nicht aus den Augen. Vertrauen Sie uns Schwimmmeistern und folgen Sie unseren Anweisungen! So hart diese Worte auch klingen mögen. Wir sprechen aus Erfahrung. Nicht weil wir uns über Sie stellen wollen, sondern weil wir Gefahren sehen, die Ihnen so vielleicht gar nicht bewusst sind.
Ich hoffe, ich konnte Ihnen die Dringlichkeit vor Augen führen. In der Zeit, in der ich beim nächsten Mal wieder Diskussionen zu diesem oder auch anderen Themen führe, laufen die 3 Minuten evtl. für ein anderes Kind gerade ab. In der Zeit könnten wir handeln. Denn das ist unser Beruf! Zu handeln! Für Sie und Ihre Kinder!
Ihre Parthena Panagiotidou, Fachangestellte für Bäderbetriebe im Südbad
*Quelle: https://www.kindersicherheit.de/fachinformationen/unfallstatistiken.html