Historische Neusser Straßenbahn aus
dem Jahr 1926 fährt durch ihre Heimat

Er ist ein historisches Kleinod: Der Triebwagen 17 – kurz TW 17 genannt –, den die Stadtwerke Neuss 1996 vor der Verschrottung gerettet haben. Knapp zwei Jahre lang dauerte seinerzeit die Restauration des Gerippes. Seit nunmehr 21 Jahren kutschiert die historische Straßenbahn, die im Depot der Rheinbahn aufbewahrt und gewartet wird, vor allem Partygäste. Ein nostalgischer Rückblick auf die Rettung des 1926 gebauten Triebwagens anhand von alten Aufnahmen.

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Seltene Kombination zweier Straßenbahntypen

Erst vor wenigen Wochen zuckelte der älteste noch existierende Straßenbahn-Triebwagen von der Haltestelle „Stadthalle“ in Neuss zum spätbarocken Schloss in Düsseldorf-Benrath und wieder zurück. Die Tickets für die gerade mal 22 Sitzplätze waren – wie immer – im Nu verkauft. Denn der TW 17 aus dem Jahre 1926 ist nicht nur für Bahn-Nostalgiker eine Besonderheit. Mit seinen Original-Holzsitzen und den kleinen Ablagetischchen zwischen den Sitzbänken für Getränke ist er auch sehr beliebt für Sonderfahrten, die Privatpersonen oder Unternehmen buchen können.
Der TW 17 – auch „Der Neusser“ genannt – ist eine seltene Kombination zweier verschiedener Straßenbahntypen. So wurde der Triebwagen zwar im 2. Weltkrieg zerstört, 1948 jedoch auf seinem alten Fahrgestell wieder aufgebaut. Daher vereint der TW 17 die Konstruktionen unterschiedlichster Jahrzehnte. Das komplette Unter- und Fahrgestell stammt noch aus dem Jahre 1926, der Aufbau entspricht den Vorgaben von 1948.

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Bis zur Stilllegung der Neusser Straßenbahn im Dienst

Bis 1971 betrieb die Stadt Neuss ein eigenes Straßenbahnnetz. Während alle übrigen fünf Triebwagen aus der identischen Baureihe bereits Ende der 50er Jahre ausgemustert bzw. verkauft worden waren, erlebte der TW 17 als einziger Triebwagen noch die Einstellung des Straßenbahnverkehrs in Neuss am 7. August 1971. Mit Abbruch der gesamten Depotanlagen auf der Neusser Furth erhielt TW 17 ein neues Zuhause: das Straßenbahnmuseum in Hannover. 

Doch nach seiner Ausmusterung ging es stetig bergab mit TW 17. Das Straßenbahnmuseum Hannover meldete 1987 Konkurs an und der Verein Hannoversches Straßenbahnmuseum übernahm den Wagenbestand. In einigen tausend Arbeitsstunden restaurierten ehrenamtliche Helfer einzelne Wagen. Jedoch nicht die Neusser Modelle, von denen vier Triebwagen und vier Beiwagen in Hannover ein neues Zuhause gefunden hatten. Alle Wagen waren bereits in so schlechtem Zustand, dass sie im Laufe der Jahre verschrottet werden mussten. Bis auf einen – den Triebwagen 17.
Doch auch dieser war nur noch ein Gerippe. Ungeschützt vor Witterungseinfluss stand TW 17 auf einem unzugänglichen Abstellgleis in einem Waldstück. Den Zustand beschrieb die Stadtwerke-Redaktion damals wie folgt: „Da stand er nun, der letzte und gleichzeitig älteste Triebwagen der Neusser Straßenbahn – doch in welch bedauernswertem Zustand. Keine Fenster, zum Teil ohne Türen, mit nur noch einem kompletten Führerstand, ohne Stromabnehmer, einem mit lauter Gerümpel und Einzelteilen vollgestopften Fahrgastraum und die ursprünglich beigefarbene Außenlackierung mit grauer Farbe grundiert, durch die sich fast überall bereits der Rost durchgefressen hatte.“ Erstaunlich, dass der seitliche Schriftzug „Stadtwerke Neuss – Verkehrsbetriebe“ noch gut erkennbar war, ebenso wie die neben den Türen aufgemalte Wagennummer 17.

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Aufwändige Restauration des Bahn-Gerippes

In diesem Zustand wurde das Gerippe durch die Stadtwerke Neuss 1996 zurückgekauft, als Schwertransport in die Zentralwerkstatt der Düsseldorfer Rheinbahn gebracht und in zweieinhalbstündiger Präzisionsarbeit wieder auf Straßenbahnschienen gesetzt. In der Werkstatthalle wurde TW 17 aufwändig restauriert und 21 Monate später im Rahmen eines Festakts 1998 in seiner alten Heimat Neuss präsentiert. Abgesehen von historischen Straßenbahnfahrten tingelt die „17“ vor allem als Sonderfahrzeug. Auf allen Strecken ist sie einsetzbar, fährt aber besonders gerne nach Neuss...

Weitere Informationen zur Buchung der historischen Straßenbahn finden Sie hier:
https://www.rheinbahn.de/freizeit/partybahn/Seiten/Der-Neusser.aspx
 

Ihre Bärbel Broer, freie Journalistin und Autorin des Stadtwerke-Magazins

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