Bedrohung durch Nitrat in unserem Grundwasser:
Wie eine besondere Kooperation unser Wasser schützt
 

Die Ackerflächen im Rhein-Kreis Neuss gehören zu den ertragsreichsten Ackerböden Europas. Fruchtbare Böden, mildes Klima und umfangreiches, fachliches Wissen der Landwirte sind gute Voraussetzungen zur Erzeugung hochwertiger und gesunder Nahrungsmittel. Doch es gibt einen Problem: Nitrat bedroht unser Wasser. Was das heißt und was wir dagegen tun …

Da wir in einer der dichtest besiedelten Gegenden Deutschlands leben und somit auch eine intensive Nutzung landwirtschaftlicher Flächen notwendig ist, kommt dem Schutz des Grundwassers eine hohe Bedeutung zu. Ein Problem, das insbesondere durch intensive Landwirtschaft entstehen kann, ist nämlich, dass die Qualität unseres Grundwassers beeinträchtigt wird. Dabei stellt Nitrat wohl die größte Herausforderung für viele Wasserversorger dar. Denn durch starke Düngung der Felder gelangt genau dieser Stoff in das Grundwasser. Das muss dann erst dem Grundwasser durch komplizierte Verfahren wieder entzogen werden, um qualitativ einwandfreies Trinkwasser in die Haushalte liefern zu können.

Was tun gegen Nitrat?

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Um die Nitratwerte in direkter Nähe zum von den Stadtwerken Neuss betriebenen Wasserwerk Broichhof zu reduzieren, haben mehrere Landwirte in Zusammenarbeit mit den Stadtwerken Neuss und der Landwirtschaftskammer NRW ein Extensivierungsprojekt der Ackerflächen erarbeitet. Gemeinsam haben sich alle Beteiligten geeinigt, die Flächen um das Wasserwerk Broichhof zu „extensivieren“ d.h.: die Flächen werden nicht mehr gedüngt und nicht mehr mit Pflanzenschutzmitteln behandelt. Die Flächen werden dann nur einmal jährlich geerntet und als Pferdeheu genutzt. Dafür haben die Landwirte extra auf ihren eigenen Flächen Weidegras ausgesät - und das auf insgesamt 150.000 m².  Diese Fläche bleibt über mehrere Jahre unberührt und wird von den Landwirten nicht „umgebrochen“. Denn je häufiger ein Acker gepflügt wird, desto mehr Sauerstoff gelangt wiederum in den Boden, der durch eine chemische Reaktion Nitrat freisetzt.
 

An diesem Extensivierungsprojekt beteiligen sich die drei Landwirte Franz-Josef Küppers, Josef Berrisch und Hans-Georg Vieten. Ihre Flächen liegen im direkten Einzugsbereich des Wasserwerks Broichhof und sind deshalb besonders wichtig für eine gute Trinkwasserqualität. Um diese zu überwachen, werden regelmäßig Boden-Proben genommen.

„Am wichtigsten ist die Beprobung im Herbst. Da ist es entscheidend, dass der Nitratwert möglichst gering ist, weil dann die Grundwasserneubildung beginnt“, so Stefan Alef, Leiter Abteilung Anlagenplanung und Betrieb bei den Stadtwerken Neuss. „Im Herbst und Winter versickert mehr Regenwasser im Boden, da durch die kühlen Temperaturen weniger Wasser als im Sommer verdunstet. Zudem wachsen die Pflanzen um diese Jahreszeit nicht mehr und nehmen kein Wasser auf. Das bedeutet, aus dem größten Teil des Regenwassers, das im Boden versickert, entsteht neues Grundwasser. Je weniger Nitrat es dabei aufnimmt, desto besser.“


Das Extensivierungsprojekt bietet für alle Seiten Vorteile – für die Umwelt, die Stadtwerke Neuss, die Landwirte UND alle Neusser Bürgerinnen und Bürger, die Trinkwasser von den Stadtwerken Neuss beziehen …
 

Noch mehr Wasserschutz!

Das Extensivierungsprojekt „Broichhof“ steht im Rahmen der Grundwasserschutzkooperation Wasserwirtschaft und Landwirtschaft, die 1993 gegründet wurde.

Gemeinsames Ziel der Vertragspartner ist die Förderung einer gewässerverträglichen Landbewirtschaftung. Dabei werden die gegenseitigen Interessen von Landwirtschaft und Wasserwirtschaft abgestimmt und die wirtschaftlichen Belange der im Kooperationsgebiet wirtschaftenden Landwirte und Gärtner berücksichtigt.

Die beigetretenen Betriebe verpflichten sich zu einer grundwasserschonenden Flächenbewirtschaftung und stellen der Wasserwirtschaft Aufzeichnungen über Düngung und Pflanzenschutzmittelausbringung zur Verfügung.

 

700x465-Extensivierung-1.jpgFür die Stadtwerke Neuss: Da die Flächen der drei Landwirte nicht mehr gedüngt werden und damit auch nicht mehr in der landwirtschaftlichen Produktion stehen, sind die Stickstoffgehalte im Boden extrem niedrig. Das bedeutet, dass von diesen Flächen auch sehr wenig Nitrat in das Grundwasser versickert. „Am Wasserwerk Broichhof sorgen wir mit einer Denitrifikationsanlage bereits dafür, dass Nitrat aus dem Wasser gefiltert wird und wir die gesetzlichen Richtwerte einhalten können“, so Ekkehard Boden, Technischer Geschäftsführer bei den Stadtwerken Neuss. „Je weniger Nitrat jedoch vorab durch die landwirtschaftliche Düngung in das Grundwasser gelangt, desto besser für uns als Trinkwasseraufbereiter. Daher begrüßen wir das ‚Extensivierungsprojekt‘ – eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten.“

Für die Landwirte: Der finanzielle Verlust, der den Landwirten bei der Extensivierung entsteht, wird vom Wasserversorger ausgeglichen


Ihre Stadtwerke Neuss
 

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