Wer Windräder baut, muss Obstbäume pflanzen ...
-
Dann pflanzen wir mal eine  "Ausgleichsfläche"

Kennen Sie das? Dinge bei der Arbeit machen zu müssen, auf die man eigentlich gar keine richtige Lust hat. Das kommt auch bei uns in der Unternehmenskommunikation mal vor, das gebe ich offen und ehrlich zu – zum Glück aber eher selten. Die uns vorgeschriebene Ausgleichsfläche für unsere beiden Windräder auf dem Feld bei Neuss-Hoisten ist so ein Beispiel.  Man schiebt das Thema und schiebt und schiebt. Und irgendwann heißt es dann: So, wir sind fertig und könnten dann mal. Das ist dann spätestens der Zeitpunkt, wo man sich dann endlich mit dem Thema auseinandersetzen muss.

Und so siehe da, nach zwei Telefonanten stellt man als verantwortlicher Autor fest: Das ist eine richtig tolle Geschichte!!!!

Die möchte ich Ihnen jetzt mal erzählen. Nicht nur das: Ich möchte Sie damit animieren, bei einer Ihrer nächsten Frühjahrsradtouren, einfach mal am Gut Lohhof in der Nähe unserer Windräder, anzuhalten und zu gucken, was da so in den vergangenen Wochen entstanden ist. Ich sage nur 5 Fußballfelder voller Äpfel, Birnen, Pflaumen und Co. Habe ich Ihnen jetzt Appetit zum Weitergelesen gemacht?

Es war einmal …

740x500-Windraeder.jpg... eine Ackerfläche bei Neuss-Hoisten. Die Stadtwerke fanden sie geeignet dort mit dem Bau von zwei Windrädern einen aktiven Neusser Beitrag zur Energiewende und regenerativen Stromerzeugung zu leisten. Das fanden nicht alle toll. Auch Anwälte und Gerichte wurden bemüht. Aber am Ende durften die Stadtwerke Neuss die beiden geplanten Windräder bauen und betreiben. Seit Frühjahr 2017 produzieren sie grünen Strom für über 3.000 Haushalte. Der Rhein-Kreis Neuss als Untere Landschaftsbehörde hatte uns als „Eingriffsverursacher“ aber ins Pflichtenheft für die Genehmigung geschrieben, dass wir eine biologische „Ausgleichsfläche“ schaffen müssen. Und da sind wir bei diesem sperrigen Wort, mit dem ich Sie schon in der Übersicht gequält haben. Wenn man aber mal genauer hinschaut, stellt man ganz schnell fest: Es ist eine super Sache, was man aus so einer Verpflichtung zum „Ausgleich“ machen kann.

Wo früher Acker war, da blüht und grünt es

489x700-Braun-Pflanzen.jpgUnser Stadtwerke-Windräder-Team um Johannes Steinhauer und Lisa Engers hat erstmal auf die Karte geschaut und nach einer geeigneten Fläche in der Nähe der Windräder gesucht. Bei Landwirt Ludwig Schmitz auf Gut Lohhof wurden die beiden schnell fündig. Und Herr Schmitz war nicht abgeneigt, einen Teil seines Bodens – wir reden hierbei von 3,5 Hektar, den rund 5 Fußballfeldern – uns zur Pacht zur Verfügung zu stellen. Wie schafft man es aus dieser bisherigen Ackerfläche jetzt eine biologisch wertvolle Streuobstwiese zu machen?
In unserem Fall haben wir uns an ein Fachbüro gewandt, das dann eine entsprechende Planung gemacht hat. Die gefiel uns und auch der Unteren Landschaftsbehörde. Im Anschluss haben wir Ausschau gehalten, nach jemandem der das umsetzen kann. Als Stadtwerker können wir schon eine Menge, aber eine professionelle Pflanzung übersteigt dann doch unsere Möglichkeiten. Bei der Suche sind wir auf die Biologische Station Rhein-Kreis Neuss e.V. gestoßen. Mit der Biologischen Station arbeiten wir auch bereits an unserem Wasserwerk im sogenannten FFH-Gebiet Uedesheimer Rheinbogen  zusammen. Das Team um den stellvertretenden Geschäftsführer Thomas Braun hat uns ein Angebot für Einsaat, Pflanzung und Pflege  der Streuobstwiese gemacht. Das haben wir beauftragt.

704x528-Ausgleichsflaeche-Lommetz-Braun.jpgVor der Pflanzung stand zunächst die Einsaat. Hierfür haben die Experten erst einmal wertvollen Untergrund gemäht, den sie aus einer Rheinaue nahmen. Dieser wurde dann, so erklärte mir Thomas Braun, im Rahmen einer „Mahdgutübertragung“ in eine 5-10 Zentimeter dicke Mulchschicht auf unserer Fläche bei Gut Lohhof eingesetzt. Und dann kamen die Pflanzen: 93 Obstbäume. Darunter Apfel-, Birnen-, Kirsch – und Pflaumenbäume. Darunter sind auch seltene lokale Gewächse wie der „Blauen Kölner“ und die „Grevenbroicher Knorpelkirsche“.

Den letzten Obstbaum hat unser Geschäftsführer Stephan Lommetz jetzt zusammen mit Windrad-Projektleiter Johannes Steinhauer  und mit Hilfe von Thomas Braun und Landwirt Ludwig Schmitz und unter dem wohlwollenden Blicken von Lisa Engers gepflanzt. Komplettiert wird die Streuobstwiese durch verschiedene Strauchpflanzen, etwa Haselnuss, und Gehölzpflanzungen, etwa sechs Feldahorne. In den kommenden drei Jahren werden die Experten von Biologischen Station sich noch um die so genannte Fertigstellungspflege kümmern.

Wie findet man die Streuobstwiese?700x477-Ausgleichsflaeche-alle.jpg

Wenn Sie jetzt der Meinung sind, Mensch, das möchte ich mir vor Ort angucken: Unsere beiden Windräder bei Neuss-Hoisten sind nicht nur ein wertvoller Beitrag zur Energiewende vor Ort, sondern auch eine gute Orientierung. Wenn sie vom größeren der beiden Windräder nach Südwesten schauen, dann sehen Sie in einigen Hundert Metern Entfernung das Gut Lohhof. Die Pflanzung, die aus dieser Perspektive davor liegt, das ist unsere Streuobstwiese, die „Ausgleichsfläche“. Schauen Sie ruhig einmal vorbei in diesem sich entwickelnden biologischen Kleinod.

Ohne unsere Windräder gäbe es diese tolle Pflanzung nicht und ich wüsste nicht, dass Ausgleichsflächen doch spannende Themen sein können …


Ihr Jürgen Scheer aus der Unternehmenskommunikation

 

Lesen Sie mehr: Über erneuerbare Energien und Wasserschutz für Neuss

Bisher keine Kommentare

Kommentieren

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Benötigte Felder sind markiert *

Bild-CAPTCHA
Wenn Sie die Zeichenkette nicht korrekt lesen können, laden Sie bitte die Seite erneut.