Wasserqualität trotz PFAS sicher

Ein gefülltes Wasserglas vor blauem Hintergrund

Gesundheitsamt bestätigt gesundheitliche Unbedenklichkeit für das Wasserwerk Broichhof 

Im Rahmen routinemäßiger Labor-Untersuchungen wurden sowohl in den Brunnen als auch im Wasserwerksausgang Broichhof leicht erhöhte PFAS-4-Werte im Trinkwasser festgestellt.  

Vom Wasserwerk Broichhof aus werden Teile des Neusser Nordens sowie der Innenstadt mit Trinkwasser versorgt. 

Die Probenentnahme geschah vorausschauend im Hinblick auf die Grenzwerte der Trinkwasserverordnung (TrinkwV) für PFAS-4, die ab Januar 2028 gelten werden. Nach Vorliegen der Analyse-Ergebnisse wurden die Bezirksregierung Düsseldorf, der Rhein-Kreis Neuss und das dortige Gesundheitsamt informiert.

Das Gesundheitsamt, das die Wasserproben kontinuierlich beobachtet, hat den Stadtwerken unterdessen bestätigt, dass aktuell die zukünftig geltenden Grenzwerte eingehalten werden. Die Stadtwerke werden die PFAS-4-Werte weiter regelmäßig überwachen und sich mit den zuständigen Behörden abstimmen. 

Gemeinsames Ziel ist es, die Schadstoffausbreitung umfassend zu bewerten und darauf aufbauend ein Konzept zur gezielten Wasseraufbereitung zu entwickeln, um die Trinkwasserqualität auch langfristig sicherzustellen.

Informationen zu PFAS

Was sind PFAS?

PFAS steht für per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen, eine Gruppe industriell hergestellter chemischer Verbindungen. Diese bestehen aus organischen Molekülen, bei denen Wasserstoff durch Fluor ersetzt wurde, was sie besonders widerstandsfähig macht. Es gibt bereits über 10.000 Einzelsubstanzen in dieser Gruppe.


Welche Eigenschaften haben PFAS?

PFAS sind wasser-, fett- und schmutzabweisend, extrem temperaturbeständig und widerstandsfähig gegen chemische Einflüsse. Diese Eigenschaften machen sie vielseitig einsetzbar, erschweren aber ihre Entsorgung erheblich. Sie bauen sich in der Umwelt nicht ab, weshalb sie oft als "Ewigkeitschemikalien" bezeichnet werden. Gelangen sie ins Wasser, sind sie sehr mobil und lassen sich nur mit großem Aufwand entfernen, beispielsweise durch Hochtemperaturverbrennung bei über 1.000 Grad Celsius.


Wo sind PFAS enthalten?

PFAS sind in mehreren Hundert Anwendungen zu finden, unter anderem in:

  • Antihaftbeschichtungen (z. B. Pfannen)
  • Verpackungen wie Pizzakartons
  • Wetterfester Kleidung
  • Feuerlöschschaum
  • Halbleiterproduktion
  • Zahnpflegeprodukten wie Zahnseide
     

Wie gelangen PFAS in das Grundwasser?

Durch die Verwendung von PFAS in industriellen Produkten können sie auf verschiedenen Wegen in die Umwelt und damit auch ins Grundwasser gelangen. PFAS ist unter anderem über viele Jahre in Feuerlöschschaummitteln enthalten gewesen. Auf diese Weise kann auch das Grundwasser mit PFAS belastet werden. Die PFAS-Substanzen im ausgebrachten Löschschaum versickern mit dem übrigen Löschwasser bzw. Niederschlagswasser bis in das Grundwasser und kontaminieren dieses.


Wie gelangen PFAS in den menschlichen Körper?

Menschen können PFAS  über Nahrung, Wasser und Luft aufnehmen. Human-Biomonitoring-Untersuchungen des Umweltbundesamts zeigen einen klaren Zusammenhang zwischen dem Konsum bestimmter PFAS-belasteter Lebensmittel und erhöhten PFAS-Konzentrationen im Blutserum, insbesondere beim Konsum von Fischen oder Meeresfrüchten. 
Die bisherigen Daten für Deutschland zeigen, dass bei jedem zweiten Erwachsenen die toxikologisch tolerierbare EFSA-PFAS-Gesamtmenge bereits überschritten wird. Nahrung ist dabei der Hauptaufnahmepfad für den Menschen.


Welche Grenzwerte gelten für das Trinkwasser?

Mit Inkrafttreten der Trinkwasserverordnung (Stand Mai 2023) gibt es für PFAS zwei gesetzliche Grenzwerte, die ab 2026 bzw. 2028 Gültigkeit haben werden:

Summe PFAS-20 = 0,1 µg/ L gültig ab 12.01.2026
Summe PFAS-4 = 0,02 µg/ L gültig ab 12.01.2028

Der Summenwert PFAS-20 beinhaltet insgesamt 20 Substanzen.  
Aufgrund ihrer besonders toxikologischen Relevanz werden die vier Substanzen PFOA, PFOS, PFHxS und PFNA als Summe PFAS-4 „einzeln“ betrachtet.
 

Warum sind PFAS problematisch?

PFAS können über Wasser, Luft, Böden und Nahrungsmittel in den menschlichen Körper gelangen. Laut Umweltbundesamt haben fast alle Menschen in Deutschland PFAS im Blut.

Die Stoffe bauen sich sowohl in der Umwelt als auch im menschlichen Körper nicht oder nur äußerst langsam ab. Einige PFAS sind krebserregend, stören den Hormonhaushalt oder das Immunsystem. Die EU diskutiert daher ein weitreichendes Verbot, einige Einzelsubstanzen wurden bereits verboten.

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